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Autor: Thomas Krabusch
Datum: 08.04.2012
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Die neue Seuche im Mittelalter

Das Mittelalter hatte mit vielen schweren Krankheiten und Krankheitsepidemien zu kämpfen. Ob Lepra oder die im Hochmittelalter allgegenwärtige Pest, eine Seuche, die eine gigantische Anzahl an Menschen in obszöner Regelmäßigkeit in kürzester Zeit dahinraffte, die damalige Medizin konnte den Krankheiten nichts entgegensetzen. Im ausgehenden Mittelalter kam eine neue Heimsuchung, die als „neue Pest“ bezeichnete Syphilis hinzu. Während die Pest allerdings wie ein Orkan durch Dörfer und Städte jagte, war diese viel schleichender und führte nicht sofort zum Tod. Wirksame Medizin gab es nicht, sie wurde wie andere Hautausschläge, zB: Krätze, mit einer Quecksilbersalbe, welche mit einer anschließenden Schwitzkur vor einem heißen Ofen einherging, behandelt. Die Wahl der Erkrankten wurde somit zur Wahl zwischen Teufel und Beelzebub. Denn wer nicht an der Krankheit starb, der starb spätestens bei der Behandlung, zumindest waren schwere gesundheitliche Folgen zu erwarten. Da man die Krankheit nicht heilen konnte, aber auf einige Erfahrungen im Umgang mit der Pest zurückgreifen konnte, sah man es als am sichersten an die Erkrankten erst einmal zu isolieren, in Quarantänebezirke zu sperren. Es wurden spezielle Syphilis-Hospitäler oder Franzosenhäuser errichtet (Die Syphilis wurde auch Franzosenkrankheit oder einfach Franzose genannt, nach dem französischen Heer unter Karl VIII um 1494/95, das die Krankheit (morbus gallicus) quasi in die Welt hinaustrug). Parallelen zur Pest waren die, dass die Syphilis nicht nur arme Menschen, Menschen aus Randgruppen traf, sondern auch standesübergreifend Höhergestellte und Adlige befiel. Immer wenn Menschen etwas nicht erklären konnten griff man auf bewährte Taktiken zurück. Entweder musste man das Phänomen einem missliebigen Schuldigen oder einer ganzen Gruppe zuweisen, oder man sah es als Strafe Gottes an. Über Gottes Strafe hinaus wurde sie mit den Leiden Hiobs aus dem Alten Testament gleichgesetzt. Die Parallelen zum Krankheitsbild („der Satan schlug Hiob mit bösen Geschwüren von der Fußsohle an bis auf seinen Scheitel“) waren deutlich. Um so aus der Not auch eine Tugend zu machen wurde Hiob schließlich zum Schutzheiligen der Leprösen und der Syphilitiker. Die Schuldigen für diese Seuche, nur Gottes Strafe als Begründung für das Elend auszumachen schien irgendwie unbefriedigend, waren schnell ausgemacht: die Prostituierten. Das Übel erkannt musste es nur noch an der Wurzel gepackt werden. Das hieß nicht mögliche Kontrolle, wie Registrierung und ärztliche Untersuchungen, sondern die Isolation und die Vertreibung. Frauenhäuser waren ein leicht zu definierendes Ziel der Gegenwehr und so konnte man dem Volk zur Beruhigung einen schnellen Sündenbock liefern. Schwieriger zu fassen waren Prostituierte, die auf der Straße oder in Privathäusern gearbeitet haben. Selbst Badehäuser wurden in großem Stil geschlossen, da es nicht ungewöhnlich war, dass dort entsprechende Dienste angeboten wurden.
http://www.mittelalter-fuer-jedermann.de.

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