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Autor: Ralf Thomas
Datum: 26.05.2011
Views: 24899
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Taufbräuche - Glaube und Aberglaube

Wir haben uns in einigen europäischen Ländern umgehört und sind dabei auf interessante und skurrile Taufbräuche gestoßen. Auch die Taufgeschenke unterscheiden sich deutlich von denen, die wir im deutschsprachigen Raum gewohnt sind.

FRANKREICH:

In Frankreich bekommt jeder Gast der Taufe Dragées als Geschenk. Nach der Tradition befinden sich im Beutel 5 Taufmandeln: Eine für die Gesundheit, eine für den Wohlstand, eine für die Langlebigkeit, eine für die Fruchtbarkeit und eine fürs Glück. Der römische Konditor Julius Dragatus erfand die Köstlichkeit in der Antike, als ihm eine Mandel in den Honigtopf fiel. Die Dragées wurden bereits vor Christi Geburt zu feierlichen Anlässen – auch bei Geburten – gereicht. In Frankreich tauchen sie erstmals im 17. Jahrhundert bei einem Apotheker in Verdun auf, der sie zur Stärkung des männlichen Samens empfiehlt. Bei der Taufe besorgen die Paten die Dragées und verteilen sie in einem Tüllsäckchen mit dem Namen des Getauften an die Gäste.
Der Zuckermantel ist oft rosa oder blau eingefärbt - abgestimmt auf das Geschlecht des Kindes.
Unter den Geschenken darf ein Armband mit eingraviertem Namen und Geburstdatum des Getauften nicht fehlen.

ITALIEN:

Das Kleid des Täuflings ist lang und weiß - ein Symbol der Unschuld - ein Anstecker mit rosa- oder blaufarbenen Schleifen und Bändern deutet auf das Geschlecht des Täuflings hin und wird später neben der Haustür angebracht. Die Person, die das Neugeborene zum Taufbecken trägt, hält es mit dem rechten Arm, wenn es ein Junge ist, mit dem linken, wenn es ein Mädchen ist - sie darf sich nicht umdrehen, da ansonsten das Kind angstvoll zu schreien beginnt. Der Tradition zufolge schmeißen die Taufpaten den Kindern vor der Kirche Bonbons zu. Die Glocken läuten je nach Geschlecht des Täuflings unterschiedlich oft. Die Taufpatin übergibt der Mutter das Kind mit den Worten: "Tu me l'hai dato pagano e io tè lo porto cristiano" - "Du hast ihn mir als Heiden gegeben und ich bringe ihn dir als Christen zurück."
Als traditionelles Geschenk wird dem Getauften von seinen Paten ein goldenes Kettchen mit einem Kreuz oder einem Heiligen-Medaillon überreicht, auf dem sein Name und sein Geburtsdatum eingraviert sind.

RUMÄNIEN:

In Rumänien wird das Taufkleid traditionellerweise bei der katholischen Taufe dem Täufling nicht angezogen, sondern auf ihn gelegt. Es kam häufig vor, dass dem Baby der Name der Taufpatin oder des Taufpaten als Erstname übertragen wurde – weit verbreitet ist immer noch der Brauch, den Namen der Taufpaten als Zweitnamen für das Kind zu übernehmen. Der Pfarrer fragte die Taufpaten: "Was verlangst du von der Kirche?" Die Taufpaten antwortete: "Den Glauben." Pfarrer: "Und was gibt dir der Glaube?" Taufpate: "Das ewige Leben." Die Babys wurden immer am ersten Sonntag oder am ersten Feiertag nach ihrer Geburt getauft - sie waren demnach fast nie älter als einen Monat.

POLEN:

In Polen gibt es viele abergläubische Bräuche rund um die Taufzeremonie. So darf die Patentante weder schwanger noch Witwe sein, da das Unglück für den Täufling bedeuten würde. Die Paten sollten auch nicht miteinander verheiratet sein. Wenn man eine Anfrage auf Patenschaft ablehnt, bringt das großes Unglück über den Täufling.
Als Geschenk sollte man auf einen Kreuzanhänger verzichten, da das ein lebenslanges Kreuz für das Kind bedeutet. Ein silberner Löffel darf wiederum nicht fehlen, denn dann muss der Täufling nie Hunger leiden. Dem Kind werden Bonbons und eine Münze in die Kleidung gelegt - als Symbol für ein reiches, angenehmes Leben.
Wenn die Taufkerze mit der linken Hand angezündet wird, wird auch der Täufling dem Aberglauben nach zum Linkshänder. Die Kerze darf auf keinen Fall ausgehen, damit ein langes Leben garantiert wird.

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